Einbeziehung von Angehörigen in die medizinische Rehabilitation von Abhängigkeitserkrankungen 27.05.2026 – online

Substanzgebrauchsstörungen (SGS) führen neben der individuellen Belastung der Konsumierenden selbst, nahezu immer auch zu einer intensiven Beeinträchtigung des gesamten Familien- und Beziehungsgefüges, so dass Angehörige durch ihre Mit-Betroffenheit eine eigenständige Zielgruppe im Rahmen des Suchthilfesystems mit einem hohen Bedarf an Unterstützung darstellen. Dieser wiederum resultiert aus den gesundheitlichen Belastungen, die Angehörige durch die Erkrankung der Betroffenen erfahren. Die durch die Substanzgebrauchsstörungen der Betroffenen ausgelösten Stressfolgereaktionen ließen sich darüber hinaus in Übereinstimmung mit internationalen Befunden gleichermaßen bei weiblichen sowie männlichen Angehörigen feststellen und es konnte mehrfach belegt werden, dass Angehörige seit Beginn einer Substanzgebrauchsstörung der Betroffenen mindestens einmal gesundheitliche Beeinträchtigungen und Belastungen, Beziehungs- und Kommunikationsprobleme sowie emotionale sowie finanzielle Sorgen hierdurch erlebt haben, woraus eine starke Beeinträchtigung des Alltags resultierte.

Die Versorgungsstrukturen für Angehörige von Betroffenen mit SGS sind trotz der bereits bestehenden Fülle an internationalen Forschungsergebnissen auf nationaler Ebene als mangelhaft und unzureichend einzustufen. Überwiegend wird die Gruppe der Angehörigen lediglich in Verbindung mit Präventionsfragestellungen benannt und Auswirkungen von SGS auf das soziale und familiäre Umfeld finden in deutschen suchtpolitischen Leitlinien nur eingeschränkt Erwähnung. Im Rahmen der Fortbildung soll eine kritische Bilanz über das bislang bestehende Angebotsspektrum erfolgen, mit dem Ziel – Impulse und Empfehlungen für Verbesserungen in der angehörigenzentrierten Versorgung zu geben. Angestrebt wird u.a. auch ein reger Erfahrungsaustausch unter den Seminarteilnehmenden in Bezug auf die gegenwärtige Versorgung von Angehörigen in den jeweiligen Einrichtungen, um Überlegungen für die sinnvolle Implementierung neuer Unterstützungsangebote zu erarbeiten.

 

  • Auswirkungen der Substanzgebrauchsstörungen auf Angehörige (Phasenmodell des familiären Krankheitsverlaufs aus Angehörigenperspektive)
  • Rollenbilder von Kindern aus suchtbelasteten Familien
  • Belastungsfaktoren von Angehörigen
  • Bewältigungsmechanismen und Copingstrategien Angehöriger nach dem Stress-Strain-Coping-Support-Modell
  • Stigmatisierungsprozesse durch das Co-Abhängigkeitskonzept; empirische Evidenz
  • Geschichtlicher Abriss von Interventionsformen für Angehörige; Sensibilisierung für die angehörigenzentrierte Sicht- und Arbeitsweise
  • Morbiditätsraten, Barrieren und Bedarfe von Angehörigen – aktueller Forschungsstand
  • Gegenwärtige nationale Versorgungsstrukturen in der med. Rehabilitation von Abhängigkeitserkrankungen
  • Familientherapeutische Ansätze aus den USA (MDFT, CRAFT, BCT, ABCT)

 

Literaturempfehlungen:

Berndt J, Bischof A, Besser B et al. Abschlussbericht. Belastungen und Perspektiven Angehöriger Suchtkranker: ein multi-modaler Ansatz (BEPAS), Lübeck, 2017. Online im Internet: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Drogen_und_Sucht/Berichte/Abschlussbericht/171109_Abschlussbericht_BEPAS.pdf

Bischof, G, Velleman, R, Orford, J, Nadkarni, A & Tiburcio, M (eds) 2025, Families affected by addiction: A handbook. Sustainable Development Goals Series, 1 edn, Springer, Cham. https://doi.org/10.1007/978-3-031-82583-5

Di Sarno, M, De Candia V, Rancati F, Madeddu F, Calati R, Di Pierro R. Mental and physical health in family members of substance users: A scoping review. Drug and Alcohol Dependence, 219, 108439, 2021.
https://doi.org/10.1016/j.drugalcdep.2020.108439

Hornig L. Angehörigenarbeit – Neu denken. Begriffe, Praxis, Handlungsimpulse. In: Suchttherapie 2023; 24(04), 2023b: 178-186. DOI: 10.1055/a-2084-4061

Kirby KC, Dugosh KL, Benishek LA, Harrington VM. The Significant Other Checklist: measuring the problems experienced by family members of drug users Addictive Behaviors, 30 (1), 2005: 29-47.

Nieuwenboom, JW. Die Stigmatisierung Angehöriger von SuchtpatientInnen. SuchtMagazin, 38(1), 2012: 19–22. https://doi.org/10.26041/fhnw-3795

Orford J, Copello A, Velleman R, Templeton L. Family members affected by a close relative’s addiction: The stress-strain-coping-support model. Drugs-Education Prevention and Policy, 17, 2010b: 36–43.

  • Moderation:

    Dr. Larissa Hornig, salus kliniken Bad Nauheim

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