Vom Missbrauch zur Abhängigkeit

Das Abhängigkeitspotenzial von MDMA wurde im Tierversuch bestätigt (vgl. z.B. Braida & Sala, 2002), wobei als ursächlich neben der dopaminergen MDMA-Wirkung auch eine regulierende Rolle der Endocannabinoide nachgewiesen werden konnte. Zur Entwicklung einer Ecstasyabhängigkeit liegt eine unbefriedigende Befundlage an Humanuntersuchungen vor. Dies hängt damit zusammen, dass Abhängigkeitsdiagnostik kriterienorientiert zu geschehen hat, die Diagnostiksysteme aber möglicherweise nur unzureichend auf die Spezifika des Ecstasykonsums eingestellt sind. Relativ unstrittig scheint zu sein, dass es Ecstasyabhängigkeit gibt. Unklar bleibt, wie hoch der Prozentsatz der Konsumenten sein mag, die ein Abhängigkeitssyndrom entwickeln. Cottler et al. (2001) berichten, dass 43% ihrer 52 Ecstasy konsumierenden Probanden ein Abhängigkeitssyndrom nach DSMIV aufwiesen. Es gibt allerdings Hinweise darauf, den Selbstauskünften der Probanden möglicherweise zu misstrauen, zumal toxikologische Daten zur Validierung aus Haaranalysen oder zumindest Urinanalysen nicht erhoben worden sind. 79% der Stichprobe gaben an, außer Ecstasy keine anderen illegalen Drogen zu nehmen. Es ist bisher keiner Forschungsgruppe weltweit gelungen, reine Ecstasykonsumenten mit erheblichem Konsum in vergleichbar großer Zahl zu untersuchen, obwohl dies für viele Forschungsfragestellungen ausgesprochen günstig wäre. Es ist ein Hauptproblem der Ecstasyforschung, dass Ecstasykonsum ausgesprochen regelhaft mit dem Konsum von Cannabis, Amphetaminen, oft auch Kokain, LSD und Psilocybin zusammenfällt, so dass die Drogeneffekte schwer trennbar sind. Letztlich kann auf dem derzeitigen Forschungsstand über das Ausmaß des Abhängigkeitspotenzials von Ecstasy nicht entschieden werden. Obwohl für viele Ecstasykonsumenten die Zeit des Konsums auch ohne spezifische Behandlung eine vorübergehende Phase zu sein scheint, scheint doch ein Anteil von etwa 15% durch einen langfristigen Intensivkonsum von Ecstasy und anderen Drogen in eine Situation der Hilfebedürftigkeit zu geraten. In den deutschen ambulanten psychosozialen Beratungs- und Behandlungsstellen bilden unter den Klienten, die wegen Problemen in Zusammenhang mit illegalen Drogen eine Betreuung oder Behandlung begonnen haben, die Klienten mit stimulantienbezogenen Störungen als Hauptdiagnose mittlerweile die drittgrößte Gruppe nach opiat- und cannabisabhängigen Patienten. Insgesamt wiesen die EBIS-A-Daten des Jahres 2000 für die Hauptdiagnose "Stimulantien" einen Anteil von 6.9% (Ost: 14.8%, West: 5.2%) auf. Behandlungsbedürftigkeit entsteht neben dem Vorliegen von Abhängigkeitserkrankungen insbesondere, wenn psychiatrische Störungen im Zusammenhang mit dem Drogenkonsum akut auftreten.