Vom Genuss zur Abhängigkeit

Bei regelmäßigem erhöhtem Alkoholkonsum kann ein ris-kanter Konsum, ein schädlicher Gebrauch oder eine Ab-hängigkeit vorliegen. Zwischen diesen Konsummustern gibt es fließende Übergänge.

Riskanter Alkoholkonsum
Ein riskanter Alkoholkonsum liegt vor, wenn mehr als 20 g Alkohol von Frauen und 30/40 g von Männern pro Tag konsumiert wird. In Deutschland weisen 21,5 % der Män-ner und 10,9 % der Frauen einen riskanten Alkoholkon-sum auf.

Schädlicher Gebrauch
Ein schädlicher Gebrauch liegt vor, wenn man die tägliche Trinkmenge in der Regel über 60g reinem Alkohol bei Männern und 40g Alkohol bei Frauen liegt.
Die Diagnose erfordert eine tatsächliche Schädigung der psychischen oder physischen Gesundheit des Konsumen-ten. Schädliches Konsumverhalten wird häufig von ande-ren kritisiert und hat auch häufig unterschiedliche negati-ve soziale Folgen. Die Ablehnung des Konsumverhaltens oder einer bestimmten Substanz von anderen Personen oder einer ganzen Gesellschaft allein ist jedoch kein Be-weis für den schädlichen Gebrauch, ebenso wenig wie etwaige negative soziale Folgen z.B. Inhaftierung, Ar-beitsplatzverlust oder Eheprobleme. Ca. 2,4 Mio. der 18-59-jährigen weisen einen Alkoholmissbrauch auf.

Abhängigkeitssyndrom (ICD 10)
Diagnostische Leitlinien
Die Diagnose Abhängigkeit soll nur gestellt werden, wenn irgendwann während des letzten Jahres drei oder mehr der folgenden Kriterien vorhanden waren:

 

  1. Ein starker Wunsch oder eine Art Zwang, psy-chotrope Substanzen zu konsumieren
  2. Verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich des Be-ginns, der Beendigung und der Menge des Kon-sums.
  3. Ein körperliches Entzugssyndrom (siehe F1x.3 und F1x.4) bei Beendigung oder Reduktion des Kon-sums, nachgewiesen durch die substanzspezifi-schen Entzugssymptome oder durch die Aufnahme der gleichen oder durch die Aufnahme der gleichen oder nahe verwandten Substanz, um Entzugssym-ptome zu mildern oder zu vermeiden
  4. Nachweis einer Toleranz. Um die ursprünglich durch niedrigere Dosen erreichten Wirkungen der psychotropen Substanz hervorzurufen, sind zu-nehmend höhere Dosen erforderlich (eindeutige Beispiele hiefür sind die Tagesdosen von Alkoholi-kern und Opiatabhängigen, die bei Konsumenten ohne Toleranzentwicklung zu einer schweren Be-einträchtigung oder sogar zum Tode führen wür-den).
  5. Fortschreitende Vernachlässigung anderer Ver-gnügen oder Interessen zugunsten des Substanz-konsums, erhöhter Zeitaufwand, um die Substanz zu beschaffen, zu konsumieren oder sich von den Folgen zu erholen.
  6. Anhaltender Substanzkonsum trotz Nachweises eindeutig schädlicher Folgen, wie z.B. Leberschä-digung durch exzessives Trinken, depressive Ver-stimmungen infolge starken Substanzkonsums oder drogenbedingte Verschlechterung kognitiver Funktionen. Es sollte dabei festgestellt werden, dass der Konsument sich tatsächlich über Art und Ausmaß der schädlichen Folgen im klaren war oder dass zumindest davon auszugehen ist. Ca. 1,5 Mio. der 18-59-jährigen ist alkoholabhängig.

 

Erfassung von Alkoholmissbrauch und -abhängigkeit (CAGE-Fragebogen)
Der CAGE-Fragebogen ist ein kurzes, international aner-kanntes und in der Praxis bewährtes Screening-Instrument zur Erfassung von Alkoholmissbrauch/ -abhängigkeit.

 

 

 

Cutt Down Drinking

Haben Sie jemals daran ge-
dacht, weniger zu trinken?
0 Ja 0 Nein
Annoyance Haben Sie jemals bei anderen Menschen Anstoß erregt, weil Sie nach deren Meinung zu viel trinken?

 

0 Ja
0 Nein
uilty Haben Sie sich je-mals wegen Ihres Trinkens schuldig gefühlt? 0 Ja
0 Nein
Eye Ope-ner Haben Sie jemals morgens als erstes Alkohol getrunken, um sich nervlich zu stabilisieren oder einen Kater loszu-werden? 0 Ja

0 Nein

 

Bei zwei und mehr Ja-Antworten ist schädlicher Gebrauch/Alkoholmissbrauch oder eine Alkoholabhängig-keit wahrscheinlich. Um eine Abgrenzung zwischen schädlichem Gebrauch und Alkoholabhängigkeit vorzu-nehmen, empfiehlt es sich an den Leitlinien zum Abhän-gigkeitssyndrom (s.o.) zu orientieren.