Substanzgebundene Sucht

Was ist eine Substanzgebundene Sucht?

Jemand ist von einer Substanz (Alkohol, Tabak, Droge) abhängig, wenn 3 oder mehr der nachfolgenden Kriterien erfüllt sind (Kriterien nach dem Klassifikationssystem für medizinische Diagnosen ICD 10): 

  • Der starke und gelegentlich übermächtige Wunsch, Suchtmittel zu konsumieren.
  • Verminderte Kontrolle bezüglich Konsumstil und -menge.
  • Fortgesetzter Konsum zur Verhütung von Entzugserscheinungen, Entwicklung eines körperlichen Entzugssyndroms.
  • Entwicklung von Toleranz gegenüber dem Suchtstoff und daraus resultierende Dosissteigerung.
  • Zunehmende Ausrichtung des Verhaltens auf den Substanzkonsum. Fortschreitende Vernachlässigung anderer Interessen.
  • Fortgesetzter Konsum trotz schädlicher Folgen körperlicher, psychischer oder sozialer Art.

 Im Unterschied dazu wird ein schädlicher Gebrauch psychotroper Substanzen vor, wenn das Konsummuster der Substanzen zu einer Gesundheitsschädigung führt. Dies kann eine körperliche Störung (z.B. Hepatitis durch Selbstinjektion von Substanzen) oder eine psychische Störung (z.B. depressive Episode nach massivem Alkoholkonsum) sein. Schädliches Konsumverhalten wird oft von anderen kritisiert und hat häufig unterschiedliche soziale Folgen. Allerdings ist die Ablehnung des Konsumverhaltens oder einer bestimmten Substanz von anderen Personen oder einer ganzen Gesellschaft allein kein Beweis für den schädlichen Gebrauch.

 

Einschätzung des Alkoholkonsums

Beim Alkoholkonsum unterscheidet man zwischen riskantem Alkoholkonsum, Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit.

Riskanter Alkoholkonsum

Ein riskanter Alkoholkonsum liegt vor, wenn Männer täglich mehr als 30 g reinen Alkohol trinken Frauen täglich mehr als 20 g reinen Alkohol trinken (vgl. British Medical Association, 1995).

 
Getränk Alkoholgehalt Menge reiner Alkohol
Bier ca. 5 Vol. % 0,2 l ca. 8,0 g
Wein ca. 10 Vol. % 0,1 l ca. 8,0 g
Fruchtlikör ca. 30 Vol. % 2 cl ca. 4,8 g
Korn ca. 32 Vol. % 2 cl 5,0 g
Obstler ca. 35 Vol. % 2 cl ca. 5,6 g
Weinbrand ca. 40 Vol. % 2 cl ca. 6,4 G

 

Werden die o. g. Grenzwerte dauerhaft überschritten, so können sich alkoholbedingte körperliche Beeinträchtigungen und bei einer deutlichen Überschreitung der Grenzwerte ein Alkoholmissbrauch oder eine Alkoholabhängigkeit entwickeln.

Darüber hinaus sollte auf Alkohol grundsätzlich bei bestehender oder möglicher Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten, die mit Alkohol interagieren, bei bestimmten körperlichen Störungen (z. B. Lebererkrankungen) verzichtet werden.

Alkoholmissbrauch = schädlicher Gebrauch von Alkohol

Ein schädlicher Gebrauch liegt dann vor, wenn der Alkoholkonsum zu körperlichen, psychischen und sozialen Konsequenzen geführt hat. Diese Schädigungen müssen kontinuierlich über einen Zeitraum von mindestens einem Monat oder mehrfach im Verlaufe von 12 Monaten aufgetreten sein. Eine Abhängigkeit ist hierbei auszuschließen.

Alkoholabhängigkeit

Eine Abhängigkeit liegt dann vor, wenn 3 oder mehr der nachfolgenden Kriterien erfüllt sind (Kriterien nach dem Klassifikationssystem für medizinische Diagnosen ICD 10):

  1. Starker Wunsch oder eine Art Zwang, Alkohol zu trinken.
  2. Hinweis auf eine verminderte Fähigkeit, den Alkoholkonsum zu kontrollieren.
  3. Alkoholkonsum, um Entzugssymptome (z. B. Zittern der Hände) zu mildern oder zu vermeiden, verbunden mit der Erfahrung, dass dies wirkt.
  4. Hinweise für Toleranzbildung, d. h. zunehmend wird mehr Alkohol benötigt, bevor die (gewünschte) Wirkung eintritt.
  5. Eingeengtes Verhaltensmuster durch den Alkoholkonsum, z. B. der Tagesplan richtet sich danach aus, regelmäßig Alkohol trinken zu können. Andere Interessen und Vergnügen werden zunehmend vernachlässigt.
  6. Der Alkoholkonsum wird fortgeführt, trotz klarer Hinweise auf negative körperliche, psychische oder soziale Folgen.

 

Selbsttest: Liegt ein Missbrauch oder eine Alkoholabhängigkeit vor?

Der nachfolgende Fragebogen kann Ihnen mehr Sicherheit darüber vermitteln, ob bei Ihnen ggf. ein Alkoholmissbrauch oder eine Alkoholabhängigkeit vorliegt.

 

Lübecker Alkoholismus Screening Test
(LAST, Rumph, H.-J., Hapke, U. & John, U. (2001))

Beantworten Sie jede Frage mit ja oder nein:

  1. Sind Sie immer in der Lage, Ihren Alkoholkonsum zu beenden, wenn Sie das wollen?
  2. Haben Sie schon einmal das Gefühl gehabt, dass Sie Ihren Alkoholkonsum verringern sollten?
  3. Haben Sie schon einmal wegen Ihren Alkoholtrinkens ein schlechtes Gewissen gehabt oder sich schuldig gefühlt?
  4. Haben Ihre (Ehe-)Partner oder Ihre Eltern oder andere nahe Verwandte sich schon einmal über Ihr Trinken Sorgen gemacht oder sich beklagt?
  5. Haben Sie wegen des Trinkens einmal Probleme am Arbeitsplatz bekommen?
  6. Ist Ihnen schon einmal gesagt worden, Sie hätten eine Störung der Leber (z.B. Fettleber oder Leberzirrhose)?
  7. Waren Sie einmal in einem Krankenhaus wegen Ihres Alkoholkonsums?

Auswertung:

Jede "Ja"-Antwort der Fragen 2 bis 7 wird mit einem Punkt gewertet, bei Frage 1 wird eine "Nein"-Antwort mit einem Punkt bewertet.

Eine Summe von 2 oder mehr Punkten deutet auf einen Alkoholmissbrauch oder auf eine Alkoholabhängigkeit hin. Falls dies auf Sie zutreffen sollte, so sollte dies Anlass sein ein entsprechendes Gesprächsangebot bei Ihrem niedergelassenen Arzt oder einer ambulanten Suchtberatungs- und Behandlungsstelle in Anspruch zu nehmen, um das Ergebnis zu überprüfen und ggf. entsprechende Hilfen zu erhalten.