Langfristige Folgen

Langfristige Folgen[1]:

Somatische Folgeschäden von Methamphetamin-Konsum treten vorrangig im Herz-Kreislauf-System sowie im Nervensystem bzw. Gehirn auf. Das Risiko für koronare Herzkrankheit und Herzmuskelerkrankungen ist bei Konsumierenden um den Faktor 3,7 erhöht. Daneben kann es zu chronischer Müdigkeit und Kurzatmigkeit aufgrund der Schwächung und Gewebsvergrößerung des Herzmuskels kommen. Hypertonie und Herzrhythmusstörungen können zu einer Aortendissektion und im Extremfall zum Herztod führen. Darüber hinaus wird ein erhöhtes Risiko für Hirninfarkte vermutet.

Innerhalb des Nervensystems kommt es zu Schädigungen von Neuronen des dopaminergen und serotonergen Systems, außerdem steigt das Parkinson-Risiko aufgrund einer verminderten Dichte an Dopamintransportern. Psychiatrische Störungen, z.B. drogeninduzierte Psychosen, treten nicht nur bei langjährigem bzw. intensivem Konsum auf, sondern können bei besonders disponierten Menschen bereits bei moderatem Konsum erscheinen und beispielsweise in Form von Halluzinationen oder Wahnvorstellungen über Monate andauern. Ängste, Depressionen, Wahrnehmungsstörungen, Verfolgungs- und Zwangsgedanken sind keine Seltenheit. Auch zahlreiche kognitive Funktionen (z.B. Gedächtnis, Lernen und Informationsverarbeitung, exekutive Funktionen) werden durch langfristigen Konsum von Methamphetamin beeinträchtigt, im Tierversuch kommt es zu irreversiblen Schädigungen. Weitere Befunde, die mit der langfristigen und/oder intensiven Nutzung von Methamphetamin in Zusammenhang stehen sind Zähneknirschen, Zahnerosionen, Zahnbruch, Karies („Meth-Mund“), Erektionsstörungen und eine erhöhte Anfälligkeit für Hautinfektionen. Gewichtsverlust und Erschöpfungszustände treten als Folge des fehlenden Appetits und Schlafbedürfnisses auf. Außerdem können durch das Injizieren von Methamphetamin und konsumbedingtes riskantes Sexualverhalten Infektionskrankheiten wie HIV oder Hepatitis C übertragen werden.

Ein nicht zu unterschätzendes Risiko liegt neben des Konsums von Methamphetamin selbst in unkalkulierbaren Verunreinigungen aus dem Herstellungsprozess, Streckmitteln und Schwankungen im Wirkstoffgehalt begründet. Weiterhin kann auch die Wechselwirkung mit zusätzlich konsumierten psychotropen Substanzen erhebliche Komplikationen hervorrufen.

 Auch im sozialen Bereich kann der Konsum von Methamphetamin schwerwiegende Folgen haben. Oft werden bei Konsumenten eine Vernachlässigung von Schule bzw. Beruf beobachtet, welche unter Umständen zur Verschuldung, Arbeitslosigkeit oder gar zur Obdachlosigkeit führen kann. Daneben kann es zu Konflikten mit dem Gesetz aufgrund von konsumnahen Delikten und Beschaffungskriminalität kommen.



[1] Reimer, J, Meier, J. & Schmidt, C. (2013). Illegale Drogen: Crystal Meth. In DHS (Hrg.), Jahrbuch Sucht 13 (S. 111-118). Lengerich: Pabst.