SuchtAktuell - Heft 2/2001 Editorial

Die Ausgabe 02/2001 von "Sucht aktuell" beinhaltet u. a. Beiträge zur Prävalenz des Substanzkonsums Jugendlicher, zum Behandlungssystem und weiterführendenPerspektiven, zum Zusammenhang zwischen Therapiedauer und Therapieerfolg, zur Qualitätsentwicklung im stationären und ambulanten Bereich sowie zum Therapieziel "Kontrolliertes Trinken".

  • G. Christiansen und J. Töppich stellen die Ergebnisse der aktuellen Drogenaffinitätsstudie 2001 der Bundeszentrale für gesundheitlich Aufklärung vor. Die repräsentative Untersuchung bei 12-25-jährigen zeigt u. a. folgende Ergebnisse:
    • Alkohol:
      Insgesamt ist zwar ein Rückgang des Alkoholkonsums der Jugendlichen festzustellen, allerdings trinken 1 % der 12-13-jährigen und 16 % der 14-15-jährigen mindestens einmal pro Woche Alkohol. 8 % der 12-13-jährigen und 31 % der 14-15-jährigen verfügen bereits über eine Alkoholrauscherfahrung, das durchschnittliche Alter beim ersten Rausch liegt bei 15,6 Jahren.
    • Rauchen:
      Auch der Raucheranteil hat sich in den letzten Jahren reduziert, gleichwohl rauchen 38 % der männlichen und 37 % der weiblichen Jugendlichen (12-25 Jahre). Bei den 12-17-jährigen sind es 28 %, davon sind bereits 7 % starke Raucher. Das durchschnittliche Alter beim Konsum der ersten Zigarette liegt bei 13,6 Jahren.
    • illegale Drogen:
    • Der Anteil der Jugendlichen, die bereits illegale Drogen probiert haben, hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Erfahrungen mit illegalen Drogen haben 27 % der Jugendlichen (12-25 Jahre), davon beziehen sich 26 % auf Cannabis, 4 % auf Ecstasy, jeweils 2 % auf Amphetamine, LSD, Kokain, 1 % auf Schnüffelstoffe, 0,3 % auf Heroin und 0,2 % auf Crack. Das durchschnittliche Alter bei der ersten Erfahrung lag bei 16,4 Jahren. Aktuell konsumieren 2 % der 12-17-jährigen und 4 % der 18-25-jährigen illegale Drogen. Die Probierbereitschaft, Haschisch zu probieren, ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen (1997: 25 %, 2001: 45 %).

Die Untersuchung belegt die Notwendigkeit, primär- und sekundärpräventive Aktivitäten weiter auszubauen und zu verstärken.



  • Prof. Dr. W. Müller-Fahrnow et.al. stellen in ihrem Beitrag die zentralen Ergebnisse der Expertise "Suchtrehabilitation in Deutschland: Bestandsaufnahme und Perspektiven" vor, welche im Auftrag des Fachverbandes Sucht entwickelt wurde. Sie geben dabei u. a. einen Überblick über die Entwicklung der Behandlungsangebote, der Behandlungsleistungen und Ausgaben für die Suchtrehabilitation. Sie weisen auf die Effektivität und den ökonomischen Nutzen der Suchtrehabilitation (z.B. im Vergleich zu anfallenden Ausgaben für Frühberentungen bei nicht erfolgter Behandlung) hin.
  • J. Künzel, D. Sonntag und Dr. G. Bühringer untersuchen den Zusammenhang zwischen Therapiedauer und Therapieerfolg bei alkohol- und drogenabhängigen Patienten. Hierbei wird ein positiver Zusammenhang festgestellt und bestimmte Zeitfenster (Alkoholabhängige: 3-6 Monate, Drogenabhängige: 4-9 Monate) als notwendig erachtet, um einen entsprechenden Therapieerfolg zu gewährleisten. Diese Zeitfenster gelten allerdings nur für Patientengruppen mit einer durchschnittlichen Ausprägung substanzbezogener Störungen. Neben der Therapiedauer sind sowohl Patienten- als auch Strukturmerkmale der Behandlung für den Therapieerfolg von Bedeutung.
  • S. Kawski et.al. stellen Ergebnisse des Peer-Review-Verfahrens aus dem Qualitätssicherungsprogramm der Rentenversicherungsträger vor, bei welchem anonymisierte Entlassberichte einer Bewertung unterzogen werden. In das Verfahren sind 236 stationäre Rehabili-tationseinrichtungen einbezogen. In den untersuchten Bereichen wiesen zwischen 65,1 % und 80,3 % der Bewertungen keine oder lediglich geringe Mängel auf. Verbesserungsbedarf besteht insbesondere in den Bereichen Diagnostik, Therapieziele und -Planung sowie Sozialmedizinische Stellungnahmen.
  • PD Dr. M. Zielke et.al. untersuchen Qualitätsbeurteilungen durch Patienten als Element der Qualitätssicherung in der medizinischen Rehabilitation von Abhängigkeitserkrankungen. Hauptfaktoren für eine Veränderung waren aus Patientensicht "Problembewältigung und Wohlbefinden", "Leistungsfähigkeit und berufliche Perspektive", "Verbesserung der sozialen Kompetenz und Sensibilität", "Gesundheitliche Stabilisierung". In engem Zusammenhang mit Veränderungen in diesen Bereichen stehen aus Sicht der Patienten auf Seiten der Behandler "Kompetenz und Erfahrung", "Positives Erfolgsimage", "Transparenz des Therapiekonzeptes und eine Verbindlichkeit der Umsetzung" sowie "Praxisbezug und Entlassvorbereitung".
  • Dr. U. Beckmann und U. Egner berichten über erste Schritte zur Entwicklung eines Qualitätssicherungsprogramms für den Bereich der ambulanten Rehabilitation Abhängigkeitskranker, welches von der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte initiiert und unter Einbezug von externen Experten entwickelt wird.
  • Die Beiträge von R. Schneider und Dr. P. Subkowski setzen sich aus unterschiedlicher Sichtweise mit dem Therapieziel "Kontrolliertes Trinken" auseinander und plädieren auf der Grundlage vorhandener Erkenntnisse für eine differenzierte Indikationsstellung und für eine Priorisierung des Abstinenzzieles bei abhängigkeitskranken Menschen.
  • Dr. V. Jakob stellt verschiedene Formen der Traumatisierung suchtkranker Patienten, entsprechender Auswirkungen sowie therapeutische Handlungsmöglichkeiten und -notwendigkeiten im Umgang mit traumatisierten Patienten vor.
  • Dr. H. C. Buschmann verdeutlicht in seinem Beitrag die spezifischen sozialmedizinischen Leistungen, welche im Rahmen der Entwöhnungsbehandlung erbracht werden und geht dabei auch auf besondere Aspekte des Datenschutzes und der ärztlichen Schweigepflicht hinsichtlich der Weitergabe von Entlassberichten etc. ein.
  • Prof. Dr. F. Rist beschreibt, dass "Elektronische Handbuch zu Erhebungsinstrumenten im Suchtbereich", welches ins Internet gestellt wurde und zur Unterstützung der Auswahl und des Einsatzes von Erhebungsinstrumenten im Suchtbereich dienen soll.


Abschließend sei Prof. Dr. K. H. Bönner, der als Mentor einer modernen, individualisierten Suchtbehandlung angesehen werden kann, für seine Mitwirkung an dieser Zeitschrift sowie seine langjährige Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender des Fachverbandes Sucht e.V. (FVS) herzlich gedankt. Prof. Dr. Bönner wird sein Amt noch bis zur nächsten Mitgliederversammlung des FVS am 30.10.2001, auf der sein Nachfolger gewählt werden wird, ausüben.