SuchtAktuell - Heft 1/2004 Editorial

In dieser Ausgaben von "Sucht aktuell" finden sich aktuelle Beiträge zu folgenden Themen:

  • Prof. Dr. J. Rehm und U. Frick weisen nach, dass Suchtmittelgebrauch mit gravierenden Krankheitsfolgen und hohen gesellschaftlichen Kosten verbunden ist. Alkohol und Tabak verursachen vergleichbare Morbiditätslasten in der Bevölkerung, jeweils 4 % der Gesamt-belastung. Beide Substanzen verursachen etwa 5 mal soviel Krankheitsbelastung wie illegale Drogen. Die sozialen Kosten wurden in Deutschland für alkoholassoziierte Krankheiten auf 40 Mrd. DM (1995) geschätzt, für Opiatkonsum auf 14 Mrd. DM (1992). Viele Analysen haben gezeigt, dass suchttherapeutische Ansätze einen Nutzen erzielen, der die Kosten weit übersteigt. Die Autoren kritisieren, dass viele Maßnahmen zur Suchtprävention bislang kaum Effekte nachweisen können und sich demgegenüber Steuererhöhungen für legale Suchtmittel (Alkohol und Tabak) als äußerst kostenintensiver Präventionsansatz bewährt hat.
  • M. Zobel, P. Missel et. al. stellen die neueste Katamnese des Fachverbandes Sucht (Entlassjahrgang 2001) von Fachkliniken für Alkohol- und Medikamentenabhängige vor. Der Datensatz umfasst 7.824 stationäre Maßnahmen, die Ausschöpfungsquote beträgt 61,3 %. Abstinent lebten nach DGSS IV (Gesamtstichprobe, Nichtantworter werden als r¨ckfällig gewertet) nach einem Jahr 43,9 %. Nach DGSS I (Katamneseantworter) betrug die Erfolgsquote hingegen 74,2 %. Als relevante Patienten- und Behandlungsmerkmale für den Therapieerfolg stellten sich die Kriterien Partnerschaft, Erwerbstätigkeit, Entgiftungs- bzw. Entwöhnungsbehandlung vor Therapiebeginn, planmäßiger Abschluss heraus. Des weiteren zeigte sich, dass abstinent lebende Patienten ein Jahr nach Behandlungsende in nahezu allen Lebenssituationen deutlich zufriedener als rückfällige Patienten/innen sind. Insgesamt bestätigt die Untersuchung die Effektivität stationärer und medizinischer Suchtrehabilitation, da Suchtmittelabstinenz als eine wichtige Voraussetzung der Wiederherstellung und dauerhaften Stabilisierung der Erwerbsfähigkeit anzusehen ist. Auch reduzierte sich der Anteil derer, die zu Beginn der Behandlung erwerbslos waren (28,6 %) zum Katamnesezeitpunkt (22,2 %) deutlich.
  • Prof. Dr. D. Henkel, Dr. U. Zemlin und P. Dornbusch referieren im Teil II des Projektes „Analyse rückfallbeeinflussender Bedingungen bei alkoholabhängigen Arbeitslosen“ Ergebnisse zum Therapieverlauf und zur 6-Monats-Katamnese. In der letzten Ausgabe wurde eine ausführliche Einführung in die Thematik, die Darstellung der Zielsetzungen und der Untersuchungsanlage des Projekts sowie Ergebnisse zu Beginn der Behandlung dargelegt (s. „Sucht aktuell“ Nr. 2, September 2003, S. 5 - 14). Dabei wurde deutlich, dass arbeitslose gegenüber erwerbstätigen Patienten/innen über höhere Belastungen und geringere Ressourcen verfügen. Die Untersuchung zeigt einen erhöhten Anteil von Therapieabbrüchen der Arbeitslosen im Vergleich zu Erwerbstätigen (17,6 % vs. 8,3 %). Des weiteren war die Rückfallquote der arbeitslosen Behandlungsabbrecher deutlich erhöht. Therapieabbrecher waren generell (Arbeitslose und Erwerbstätige) jünger, häufiger Sozialhilfeempfänger bzw. Bezieher von Krankengeld. Sie hatten ferner häufiger bereits eine stationäre Entwöhnungsbehandlung absolviert und waren während der Behandlung rückfällig. Darüber hinaus zeigten Arbeitslose mit Behandlungsabbruch allerdings noch spezifische prägnante Ausprägungen (z.B. im emotionalen Coping, der Abstinenzzuversicht, der psychischen Gesundheit). Am Behandlungsende wiesen arbeitslose Patienten ebenfalls schlechtere Werte im Bereich der Lebenszufriedenheit, psychischen Befindlichkeit und Gesundheit auf als die Erwerbstätigen. 6 Monate nach Behandlungsende zeigte sich bei den konstant Arbeitslosen eine doppelt so hohe Rückfallquote wie bei den konstant Erwerbstätigen (55,7 % vs. 26,9 %).

    Auch ergab die Studie, dass die Arbeitslosen, die im Katamnesezeitraum eine Arbeitsförderungsmaßnahme (ABM, Schulung, Fortbildung u.a.m.) absolvierten, eine signifikant niedrigere Rückfallquote auswiesen als jene, die an keiner Maßnahme teilnahmen (41,5 % vs. 59,6 %).
    Rückfällige Arbeitslose wiesen ferner einen weitaus höheren Alkoholkonsum als rückfälligen Erwerbstätige auf.
  • V. Weissinger gibt einen aktuellen Überblick über Entwicklungen in der Suchtbehandlung. Neben grundsätzlichen Aspekten zum Stellenwert der Rehabilitation in Deutschland und der epidemiologischen und wirtschaftlichen Bedeutung von Abhängigkeitserkrankungen stellt er aktuelle Entwicklungen dar. So wurden im Jahr 2002 894.347 medizinische Rehabilitationsleistungen und davon 51.785 Entwöhnungsbehandlungen durchgeführt. Im Suchtbereich wurden bei einem vergleichsweise nur geringfügig gestiegenen Finanzbudget von 2,6 % im Vergleich der Jahre 1996-2002 insgesamt 47,7 mehr Leistungen erbracht. Die Behandlungszeit reduzierte sich von 1990-2002 in der stationären Rehabilitation bei Alkoholabhängigkeit für den Gesamtentlassjahrgang sukzessive von 119 Tagen auf 86 Tage (- 27,7 %). Darüber hinaus wurden im Jahr 2002 9.880 Leistungen ambulant und 41.905 stationär im Indikationsbereich der Abhängigkeitserkrankungen erbracht. Abschließend gibt der Autor einen Überblick über die Effektivität und Effizienz der Suchtbehandlung und hebt hervor, dass deren frühzeitige Inanspruchnahme gefördert werden sollte.
  • Prof. Dr. G. Bühringer befasst sich mit der Bedeutung der stationären Therapie für Drogenabhängige. Er stellt fest, dass diese Behandlungsform einen Bedeutungsverlust erfahren hat, stellt Vor- und Nachteile der Methadon-Substitution und abstinenzorientierten Behandlung gegenüber und erläutert deren Grundphilosophien. Des weiteren nennt er Wirkfaktoren für die stationäre Behandlung und stellt Anforderungen an deren fachlich fundierte Weiterentwicklung. Hierzu gehören beispielsweise Individualisierung der Behandlung, settingübergreifende Behandlungsplanung und Betreuung, Einbeziehung erlebnispädagogischer Maßnamen, Differenzierung der stationären Behandlung nach Leistungsprofilen, spezifische Interventionsverfahren für zentrale Bestandteile des Störungsbildes. Darüber hinaus werden Leitlinien beispielsweise zur Dokumentation, Diagnostik, Therapieplanung, die Profilierung einer jeden stationären Einrichtung (Indikationen, Vorteile, besondere Merkmale der Einrichtung), ein systematischer Transfer von Forschung und Praxis und eine stärkere Öffentlichkeitsarbeit der Träger- und Spitzenverbände stationärer Einrichtungen gefordert.
  • W.A. Schmidt beschreibt am Beispiel Hessens exemplarisch die Folgen der Kürzungen von Landesmitteln im Bereich der Suchtberatung und Suchtvorbeugung. 33 % der freiwilligen Leistungen werden vom Hessischen Sozialministerium in allen Bereichen gekürzt. Folge davon ist, dass bei 20 ambulanten Suchtberatungs- und Präventionsstellen (von insgesamt 65) die Landesmittel um 100 % gekürzt werden, bei 12 Einrichtungen ist eine Schließung wahrscheinlich. Die Mittel aller anderen Drogen- und Suchtberatungsstellen sollen um ca. 20 % gekürzt werden. 8 vom Sozialministerium geförderte Arbeitsprojekte sollen ebenfalls entfallen. Die Mittel für die 56 Selbsthilfegruppen sollen um ca. 50 % gekürzt werden. Schmidt rechnet vor, dass Suchthilfe Geld spart und führt dies am Beispiel der externen Suchtberatung in Justizvollzugsanstalten, der Bedeutung der Beratungsstellen für die medizinische Rehabilitation und für die Nachsorge/Integration, von Arbeitsprojekten und der Suchtselbsthilfe aus. Er stellt fest, dass Kürzungen von öffentlichen Geldgebern im Suchthilfebereich vielfach weder einem gesamtgesellschaftlich ausgerichteten ökonomischen Handeln noch sozialpolitisch ausgewogen erfolgen. Vielmehr werden diese aufgrund von jahresbezogenen Haushaltsansätzen vorwiegend fiskalisch begründet, ohne die Folgekosten zu betrachten.
  • Dr. W. Funke und I. Schmitz stellen die Ergebnisse einer Pilotstudie aus der stationären medizinischen Rehabilitation zum Thema "Medikamentenabhängigkeit" vor. Medikamentenabhängigkeit stellt eine "stille Suchtform" dar, die häufig unerkannt bleibt. In Fachkliniken für die Behandlung von Abhängigkeitsstörungen ist die Quote primär oder ausschließlich Medikamentenabhängiger sehr gering. Im Rahmen der Pilotstudie wurde die Belastung von Patienten/innen mit psychotropen Medikamenten untersucht, die mit der Eingangsdiagnose einer suchtmittelbedingten Abhängigkeitsstörung in eine Fachklinik kamen. Als medikamentenproblematisch wurden 13,2 % der Gesamtstichprobe diagnostiziert. Hinsichtlich des Einstiegs in die problematische Konsumentwicklung unterscheiden sich die Motive der Medikamentenkonsumierenden von denen der Alkoholkonsumierenden deutlich. Während Alkoholabhängige vor allem soziale Probleme im Lebensumfeld als Anlässe sehen, beschreiben Medikamentenauffällige in erster Linie gesundheitliche und psychische Probleme als Auslöser. Die Autoren schlagen vor, dem Umgang mit psychotropen Medikamenten und der diesbezüglichen Konsumgeschichte noch größerer Aufmerksamkeit im Rahmen der Suchtbehandlung zu widmen.


Ein Schwerpunkt dieser Ausgabe von "Sucht aktuell" liegt beim Thema "Aktuelle Ansätze zur Frühintervention und Förderung der Teilhabe am Arbeitsleben in der (Sucht-)Rehabilitation". Hierzu führte der Fachverband Sucht mit organisatorischer Unterstützung der Volkswagen AG eine Arbeitstagung am 04.12.2003 durch, in deren Rahmen die "Wolfsburger Resolution zur Förderung der Teilhabe am Arbeitsleben von suchtkranken Menschen" verabschiedet wurde. Diese stellt einen wichtigen Beitrag zur weiteren Umsetzung des SGB IX im Bereich der Abhängigkeitserkrankungen dar.

Gemeinsames Anliegen im Sinne der Resolution ist es, ein koordiniertes Handeln und nahtloses Zusammenwirken der Träger der Leistungen zur medizinischen Rehabilitation und zur Teilhabe am Arbeitsleben sowie der Integrationsfachdienste mit Leistungserbringern, Unternehmen, Betrieben, Jobcentern zu realisieren und die (Re-)Integration ins Arbeitsleben zu fördern. Besonderer Handlungsbedarf für die Zukunft wird in folgenden Punkten gesehen:

  1. Frühzeitige Feststellung des Rehabilitationsbedarfs bei Abhängigkeitserkrankungen
  2. Nahtlosigkeit der Leistungserbringung
  3. Einsatz arbeitsbezogener Maßnahmen während der Entwöhnungsbehandlung
  4. Spezifische Angebote für Abhängigkeitskranke mit besonderen Teilhabeproblemen.


Im Rahmen der Arbeitstagung wurden Zielsetzungen, Konzepte und Handlungsmöglichkeiten aus verschiedenen Sichtweisen vorgestellt und diskutiert. Die nachfolgenden Beiträge geben die Inhalte wieder:

  • Dr. P. Hartz hebt in seinem Grußwort hervor, dass die MitarbeiterInnen die wichtigste Ressource darstellen, über die ein Unternehmen verfügt. Erhalt und Entwicklung des betrieblichen Humanvermögens haben nicht nur eine ökonomische, sondern auch eine ethische Dimension. Einer der Megatrends der nächsten Jahrzehnte wird, so Dr. Hartz, die Frage psychosozialer Gesundheit sein. Kennzeichen dessen ist ein zunehmendes Bedürfnis nach "Wellness" auf der einen, die Zunahme psychosomatischer Beeinträchtigung auf der anderen Seite. Auch die Beschäftigungssicherung stellt eine zentrale Herausforderung für die Zukunft dar.

    Der Autor weist darauf hin, dass Arbeitslosigkeit häufig gesundheitliche Beeinträchtigungen zur Folge hat und auch Angst um den Arbeitsplatz Kreativität und Engagement einschränkt.

    Von daher ist "Arbeitsumverteilung" in Form innovativer Arbeitszeitmodelle, die Arbeitsplätze erhält und Arbeitslosigkeit vermeiden hilft, immer auch zugleich ein Beitrag zur Gesunderhaltung.

    Abschließend führt er aus, dass Investitionen in das betriebliche Humankapital strategischer Art sind, ihr Nutzen zeigt sich oft indirekt und eher längerfristig.
  • H. Schillinger weist darauf hin, dass der Bedarf nach Leistung zur Teilhabe steigen wird und die Rehabilitanden älter und ggf. noch stärker leistungsgewandelt sein werden. Er machte deutlich, dass diesem steigenden Bedarf finanzielle Mehrbelastungen der Rentenversicherungsträger gegenüberstehen. Bezogen auf die Suchtrehabilitation betonte er, dass diese sich für den Betroffenen, den Leistungstr&auuml;ger und die Gesellschaft lohnt. Die Herausforderungen für die Zukunft bestehen insbesondere darin, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln flexible, passgenaue und aufeinander abgestimmte Angebote für die Rehabilitanden zu entwickeln, die einen noch effektiveren Mitteleinsatz erlauben. Vor dem Hintergrund der hohen Arbeitslosenzahlen müsse alles getan werden, Rehabilitanden, die noch einen Arbeitsplatz innehaben, im Erwerbsleben zu halten. Bei bestehender oder drohender Arbeitslosigkeit seien differenzierte Vorgehensweisen geboten, wie z.B. gezieltes Bewerbungstraining oder frühzeitige Kontaktaufnahme zum Arbeitsamt. Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben kommen für die Rentenversicherung in Betracht, wenn der Berufsbezug behinderungsbedingt - und nicht arbeitsmarktbedingt - ist. Durch den Einsatz objektiver Verfahren sowie erprobender und trainierender Vorfeldmaßnahmen lasse sich ggf. im Rahmen der medizinischen Rehabilitation bereits feststellen, ob eine Reintegration in den Berufsbezug möglich ist, ob Belastungen für mögliche Qualifizierungsmaßnahmen bestehen oder auch, ob noch erwerbsrelevante Leistungen auf dem ersten Arbeitsmarkt erbracht werden können. Die arbeitsbezogene medizinische Rehabilitation ist in Abgrenzung zu den Leistungen zur Teilhabe im Arbeitsleben unverzichtbarer Baustein der gesamten medizinischen Rehabilitation. Bestehende gute Ansätze sollten kontinuierlich weiterentwickelt werden.
  • E. Schupeta ging auf die Bedeutung der Frühintervention und Behandlung von Suchterkrankungen aus Sicht der Krankenversicherung ein. Er machte deutlich, dass Suchtkranke für die Krankenkassen mehr oder weniger eine "black box" darstellen. Um hier Abhilfe zu schaffen, wird in Zusammenarbeit mit dem Fachverband Sucht von der DAK eine großangelegte Sucht-Studie durchgeführt. Über einen Zeitraum von 4 Jahren werden etwa 16.000 Suchtkranke untersucht, um nach Anhaltspunkten für eine effektivere Steuerung zu suchen. Im Jahr 2002 nahmen ca. 2.290 Versicherte der DAK an einer stationären Sucht-Reha teil. Hingegen wurden im Krankenhaus 13.890 Versicherte mit einer einschlägigen Suchtdiagnose behandelt. In der Untersuchung werden beide Kollektive über zwei Jahre in 2003 und 2004 weiter beobachtet.

    Zentrale Fragestellung ist hierbei, wie eine qualifizierte Suchtbehandlung das Krankheitsverhalten verändert. Vom Reha-Kollektiv waren in den drei Jahren vor Antritt der Behandlung etwa 900 (39 %) in zwei oder allen drei Jahren vor der stationären Entwöhnungsbehandlung im Krankenhaus. Zwei Drittel aller Versicherten, die 2002 in Reha gingen, waren schon 3 Jahre vorher zudem durch Arbeitsunfähigkeit aufgefallen. Davon fast die Hälfte sogar mehrmals.

    Auch im Krankenhaus-Kollektiv waren ca. 30 % in zwei oder allen drei Jahren vor Untersuchungsbeginn im Krankenhaus, 52 % wiesen in zwei bzw. allen drei Jahren eine AU-Zeit auf.
    Insgesamt sind die Ausgaben für Krakenhaus und Krankengeld beim Reha-Patienten in der Summe fast neunmal höher, als beim DAK-Durchschnittsversicherten. Beim Suchtkranken im Krankenhaus-Kollektiv sind sie siebenmal höher. Eine frühzeitig eingeleitete Reha würde somit erheblich Kosten sparen helfen. Von daher sollten Krankenhaus-Aufenthalte aufgrund von Sucht, stärker als bisher für eine Umsteuerung in die Reha genutzt werden.
  • Dr. W. Heipertz stellt in seinem Beitrag aus Sicht der Bundesagentur für Arbeit Möglichkeiten zur Optimierung des Zusammenwirkens der Maßnahmen und Leistungen der unterschiedlichsten Träger vor. Im Mittelpunkt stehen hierbei die Förderung der Motivation abhängigkeitskranker Menschen zur Inanspruchnahme einer Suchtberatung bzw. medizinischer Rehabilitationsmaßnahmen, deren zügige Einleitung sowie deren Verknüpfung mit anschließenden Leistungen um die (Re-) Integration in den Arbeitsmarkt zu verbessern. Der Autor hält Effizienzsteigerungen im gegebenen Gesamtsystem für möglich, wenn die verschiedenen Akteure vor Ort ihre Verantwortlichkeit klar erkennen und festlegen. Hierbei sind Transparenz und kurze Wege für die Sachbearbeitung, die Kundenbetreuung und für den Kunden selbst entscheidend. Vorhandene Projekte können eine Innovationsspirale in Gang setzen und über deren Propagierung könnten in trägerübergreifende Vereinbarungen, die Schritt für Schritt zu einer tatsächlich vernetzten Aktion aller Beteiligten führt, einmünden.
  • R. Schneider gibt einen Überblick über die M&oumL;glichkeiten zur Förderung der Teilhabe am Arbeitsleben in der Suchtrehabilitation. Er macht deutlich, dass die Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit und die Förderung der Teilhabe am Erwerbsleben wesentliche Zielsetzungen der Suchtbehandlung sind und nicht nur einzelne spezialisierte Mitarbeiter oder Berufsgruppen mit der beruflichen Reintegration befasst sind. Des weiteren erläutert er Prinzipien der arbeitsbezogenen Maßnahmen in der Suchtrehabilitation wie z. B. Einbeziehung aller Rehabilitanden, individuelle und umfassende Diagnostik, realistische Zielorientierung und er stellt spezifische Maßnahmen der arbeitsbezogenen Therapie vor. Ferner verdeutlicht er, dass Kliniken im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten Kontakte zu zahlreichen Organisationen, Partnern und Behörden aufgebaut haben, die sie in ihren Bestreben, ihre Rehabilitanden ins Arbeitsleben zu reintegrieren, unterstützen und stellt entsprechende Netzwerke dar. Abschließend zieht er ein Resümee und weist auf Zukunftsaufgaben hin.


Im Rahmen des 17. Heidelberger Kongresses "Perspektiven für Suchtkranke: Teilhabe förderung, fordern, sichern " vom 12. - 14.05.2004 werden die Themen aufgegriffen und vertieft.?