SuchtAktuell - Heft 1/2002 Editorial

 

  • Dr. L. Kraus et. al. stellen die Ergebnisse der Repräsentativerhebung 2000 des Bundesgesundheitsministeriums zum Alkohol-, Medikamenten- und Tabakkonsum bei 18-59-jährigen Erwachsenen in Deutschland vor. Demnach sind
    • 3,1 % alkoholabhängig (5 % der Männer, 1,3 % der Frauen),
    • 2,9 % medikamentenabhängig (2,5 % der Männer, 2,3 % der Frauen),
    • 8,2 % nikotinabhängig (9 % der Männer, 7 % der Frauen).
  • P. Lang, Dr. V. Weissinger und G. Marsen-Storz weisen in ihrem Beitrag auf die Notwendigkeit einer verstärkten Kurzintervention bei Patienten mit Alkoholproblemen in der ärztlichen Praxis hin und stellen einen Beratungsleitfaden vor, der in Zusammen-arbeit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufkl¨rung, der Bundes¨rztekammer, der Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren und dem Fachverband Sucht e.V. entwickelt wurde.
  • Dr. B. Schmidt stellt in ihrem Beitrag die Notwendigkeit dar, primärpräventive Ansätze durch die Sekundärprävention bei konsumierenden Jugendlichen zu ergänzen. Ziel ist es, diese zu selbstverantwortlichem gemäßigtem Substanzgebrauch zu befähigen und ein Abgleiten in riskanten oder schädlichen Konsum zu verhindern.
  • Dr. H. Küfner beschreibt Aufgaben und Herausforderungen für das Suchthilfesystem im 21. Jahrhundert und weist in diesem Zusammenhang auf Ressourcen und Entwick-lungspotentiale hin.
  • H. Kluger et. al. stellen eine klinikübergreifende Evaluation der Ergebnisqualität für stationäre Einrichtungen des Fachverbandes Sucht e.V. vor. Der FVS ist derzeit der einzige bundesweit tätige Verband, der aussagekräftige klinikübergreifende katamnestische Erhebungen vorlegt. Die vorliegende Untersuchung zeigt, dass beim Entlassjahrgang 1999 eine katamnestische Erfolgsquote hinsichtlich des Kriteriums Abstinenz nach DGSS 1 von 72,3 % (durchgängig abstinent: 62,9 %, abstinent nach Rückfall: 9,4 %) und nach DGSS 4 von 49,3 % (durchgängig abstinent: 42,7 %, abstinent nach Rückfall: 6,6 %) erreicht wurde. Erstmalig wurde vom FVS auch der Zusammenhang von Abstinenz und sozialen, beruflichen, krankheits- und behandlungsbezogenen Merkmalen erhoben. Abstinent lebende Patienten sind ein Jahr nach Behandlungsende mit allen erhobenen Lebenssituationen deutlich zufriedener als rückfällige Patienten.
  • Dr. M. Winnefeld und P. Nischan stellen das Instrument der Patientenbefragung in der stationären Sucht-Rehabilitation, welches im Rahmen des Qualitätssicherungsprogramms eingesetzt wird, vor und zeigen auf, wie die mitgeteilten Ergebnisse als Ansatz für eine Optimierung der Behandlungsinhalte und -abläufe dienen können.
  • H. Gerber beschreibt den EFQM-orientierten Ansatz zum Qualitätsmanagement in der ambulanten Suchtkrankenhilfe in Nordrhein-Westfalen.
  • M. Fischer, B. Heinemann und H. Kaiser widmen sich der Behandlung von jungen drogenabhängigen Spätaussiedlern aus Osteuropa. Besonderheiten der Lebenssituation von Migranten und daraus abzuleitende Spezifika des Behandlungsansatzes werden vorgestellt und an exemplarischen Behandlungsverläufen illustriert.
  • W. Hidien beschreibt Maßnahmen zur beruflichen Reintegration im Rahmen der Entwöhnungsbehandlung und geht dabei insbesondere auf das Instrument der Assistierenden Arbeitsvermittlung ein.
  • WR. Basdekis-Jozsa und Prof. Dr. M. Krausz berichten über den Kenntnisstand zur Komorbidität bei suchtkranken Opiatabhängigen und beschreiben unterschiedliche Behandlungselemente, die bei komorbiden Abhängigkeitserkrankungen zu berücksichtigen sind.


Abschliessend wird von Seiten des Fachverbandes Sucht e.V. (FVS) auf folgende Aspekte verwiesen:

  • Am 30.10.2001 wählte die Mitgliederversammlung des FVS Herrn Ralf Schneider, Direktor der salus klinik in Friedrichsdorf zum neuen Vorstandsvorsitzenden.
  • Der FVS hat eine aktuelle Stellungnahme des FVS zur Gesundheitspolitik und Suchtbehandlung entwickelt, welche in dieser Ausgabe abgedruckt ist.
  • Im Auftrag des FVS wurde vom Lehrstuhl für Versorgungssystemforschung der Humboldt-Universität zu Berlin eine Expertise "Suchtrehabilitation in Deutschland: Bestandsaufnahme und Perspektiven" erstellt, die als Band 32 der DRV-Schriften (Hrsg. Verband Deutscher Rentenversicherungsträger) publiziert wurde.
  • Der FVS legt die Basisdokumentation 2000 mit ausgewählten Daten zur Entwöhnungsbehandlung im Fachverband Sucht e.V., die über die Geschäftsstelle des FVS bezogen werden kann.
  • Der 15. Heidelberger Kongress am 12.-14.06.2002 fand zum Thema "'Qualität ist, wenn...' - Qualitätsentwicklung in de Suchtbehandlung" statt.