Substanzgebundene Störungen

Abhängigkeit

Eine Abhängigkeit liegt nach der internationalen Klassifikation (ICD 10) dann vor, wenn 3 oder mehr der nachfolgenden Kriterien erfüllt sind:

  • Der starke und gelegentlich übermächtige Wunsch, Suchtmittel zu konsumieren.
  • Verminderte Kontrolle bezüglich Konsumstil und -menge.
  • Fortgesetzter Konsum zur Verhütung von Entzugserscheinungen, Entwicklung eines körperlichen Entzugsyndroms.
  • Entwicklung von Toleranz gegenüber dem Suchtstoff und daraus resultierende Dosissteigerung.
  • Zunehmende Ausrichtung des Verhaltens auf den Substanzkonsum. Fortschreitende Vernachlässigung anderer Interessen.
  • Fortgesetzter Konsum trotz schädlicher Folgen körperlicher, psychischer oder sozialer Art.

Schädlicher Gebrauch (Missbrauch)

Im Unterschied dazu wird ein schädlicher Gebrauch psychotroper Substanzen im ICD 10 wie folgt beschrieben:
Dieser liegt vor, wenn das Konsummuster psychotroper Substanzen zu einer Gesundheitsschädigung führt. Dies kann eine körperliche Störung (z.B. Hepatitis durch Selbstinjektion von Substanzen) oder eine psychische Störung (z.B. depressive Episode nach massivem Alkoholkonsum) sein. Schädliches Konsumverhalten wird oft von anderen kritisiert und hat häufig unterschiedliche soziale Folgen. Allerdings ist die Ablehnung des Konsumverhaltens oder einer bestimmten Substanz von anderen Personen oder einer ganzen Gesellschaft allein kein Beweis für den schädlichen Gebrauch.

Beispiel Alkohol und alkoholbezogene Störungen

In der Fachwelt wird beim Alkoholkonsum unterschieden zwischen

  • riskantem Alkoholkonsum
  • schädlichem Gebrauch von Alkohol (Missbrauch)
  • Abhängigkeit von Alkohol

Riskanter Konsum von Alkohol

Ein riskanter Alkoholkonsum liegt vor, wenn
→ Männer täglich mehr als 24 g reinen Alkohol trinken
→ Frauen täglich mehr als 12 g reinen Alkohol trinken
Nachfolgende Übersicht gibt einen Überblick über den Alkoholgehalt verschiedener Getränke:

Getränk

Alkoholgehalt

Menge

reiner Alkohol

Bier

ca. 5 Vol. %

0,2 l

ca. 8,0 g

Wein

ca. 10 Vol. %

0,1 l

ca. 8,0 g

Fruchtlikör

ca. 30 Vol. %

2 cl

ca. 4,8 g

Korn

ca. 32 Vol. %

2 cl

ca. 5,0 g

Obstler

ca. 35 Vol. %

2 cl

ca. 5,6 g

Weinbrand

ca. 40 Vol. %

2 cl

ca. 6,4 g

Werden die o. g. Grenzwerte dauerhaft überschritten, so können sich alkoholbedingte körperliche Beeinträchtigungen und bei einer deutlichen Überschreitung der Grenzwerte ein Alkoholmissbrauch oder eine Alkoholabhängigkeit entwickeln.

Darüber hinaus sollte auf Alkohol grundsätzlich

  • bei bestehender oder möglicher Schwangerschaft,
  • bei der Einnahme von Medikamenten, die mit Alkohol interagieren,
  • bei bestimmten körperlichen Störungen (z. B. Lebererkrankungen)
    verzichtet werden.

Schädlicher Gebrauch von Alkohol (Missbrauch)

Ein schädlicher Gebrauch liegt dann vor, wenn der Alkoholkonsum zu körperlichen, psychischen und sozialen Konsequenzen geführt hat. Diese Schädigungen müssen kontinuierlich über einen Zeitraum von mindestens einem Monat oder mehrfach im Verlaufe von 12 Monaten aufgetreten sein. Eine Abhängigkeit ist hierbei auszuschließen.

Abhängigkeit von Alkohol

Eine Abhängigkeit liegt nach der internationalen Klassifikation (ICD 10) dann vor, wenn 3 oder mehr der nachfolgenden Kriterien erfüllt sind:

  • Starker Wunsch oder eine Art Zwang, Alkohol zu trinken.
  • Hinweis auf eine verminderte Fähigkeit, den Alkoholkonsum zu kontrollieren.
  • Alkoholkonsum, um Entzugssymptome (z. B. Zittern der Hände) zu mildern oder zu vermeiden, verbunden mit der Erfahrung, dass dies wirkt.
  • Hinweise für Toleranzbildung, d. h. zunehmend wird mehr Alkohol benötigt, bevor die (gewünschte) Wirkung eintritt.
  • Eingeengtes Verhaltensmuster durch den Alkoholkonsum, z. B. der Tagesplan richtet sich danach aus, regelmäßig Alkohol trinken zu können. Andere Interessen und Vergnügen werden zunehmend vernachlässigt.
  • Der Alkoholkonsum wird fortgeführt, trotz klarer Hinweise auf negative körperliche, psychische oder soziale Folgen.