Informationen zur Beantragung einer Entwöhnungsbehandlung

Antragsformulare

Den ersten entscheidenden Schritt auf dem Weg der Entwöhnung müssen Betroffene selbst tun: Sie müssen die Entwöhnungsbehandlung – je nach Zuständigkeit – z.B. beim Rentenversicherungsträger oder der Krankenkasse beantragen. Hierbei empfiehlt es sich, Kontakt zu einer Suchtberatungsstelle, dem Sozialen Dienst des Krankenhauses oder dem Hausarzt aufzunehmen und sich bei der Antragsstellung und der Klärung der Zuständigkeit helfen zu lassen. Denn neben Ihrem Antrag sind in der Regel noch weitere Informationen der entsprechenden Fachleute erforderlich.

Für die Antragstellung auf eine Entwöhnungsbehandlung benötigen die Leistungsträger:

  • die ausgefüllten Antragsformulare
  • einen aktuellen Befundbericht einschließlich verschiedener Laborbefunde vom behandelnden Arzt (Hausarzt, Betriebs­ oder Werksarzt)
  • den Sozialbericht einer Suchtberatungsstelle

In der überwiegenden Zahl der Fälle ist die Rentenversicherung der zuständige Leistungsträger. Wesentliche Antragsformulare für die Rentenversicherung sind nachfolgend aufgelistet. Wir weisen darauf hin, dass z.T. Regionalträger der Rentenversicherung eigene Formulare einsetzen. Diese sind von entsprechenden Regionalträgern direkt zu beziehen.

  • Antrag auf Leistungen zur Teilhabe für Versicherte – Rehabilitationsantrag (G0100)
  • Informationen zum Antrag auf Teilhabe – Rehabilitationsantrag (G0103)
  • Anlage zum Antrag auf Leistungen zur medizinischen Rehabilitation (G0110)
  • Sozialbericht - Psychosoziale Grunddaten (G0450)
  • Ergänzende Informationen zur Erstellung eines Sozialberichtes (G0451)
  • Einwilligungserklärung zum Sozialbericht / Anlage zum Sozialbericht (G0452)
  • Bescheinigung der Justizvollzugsanstalt beziehungsweise Jugendstrafanstalt zur Vorlage beim Rentenversicherungsträger bei Anträgen auf Entwöhnungsbehandlungen (G0435)

Bei den gesetzlichen Krankenkassen bekommen Sie eben falls sämtliche Antragsunterlagen.

Grundsatz “Rehabilitation vor Rente“

Gemäß dem Grundsatz „Rehabilitation vor Rente“ haben Leistungen zur Rehabilitation einen Vorrang vor entsprechenden Rentenleistungen. Ziel dieser spezifischen Maßnahmen, zu denen auch die Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen zählt, ist es, die Erwerbsfähigkeit des Versicherten wiederherzustellen oder wesentlich zu bessern.

Neben der Rentenversicherung können als Leistungsträger auch die Krankenversicherung oder Sozialhilfeträger in Betracht kommen. Dies hängt von den versicherungsrechtlichen Voraussetzungen, die im Einzelfall gegeben sind, ab.

Hinweise zur Zuzahlung

Stationäre Entwöhnungsbehandlungen werden in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle wie eine Anschlussheilbehandlung behandelt.

Hinsichtlich der Zuzahlung gelten bei Anschlussrehabilitationen folgende allgemeine Regelungen:

  • Die Zuzahlung ist bei stationären Rehabilitationsmaßnahmen als Anschlussheilbehandlung auf die Dauer von maximal 14 Tagen (Rentenversicherung) bzw. 28 Tage (Krankenversicherung) in Höhe von 10 € pro Tag begrenzt. Wird vor der Entwöhnungsbehandlung keine Entgiftungsbehandlung durchgeführt, kann der Zuzahlungsbetrag maximal 10 € bei einer Höchstdauer von 42 Tagen pro Jahr betragen.
  • Keine Zuzahlung wird fällig bei ambulanten Reha-Leistungen der Rentenversicherung, im Bereich der Krankenversicherung ist diese auf maximal 28 Tage begrenzt.
  • Bezieher von Übergangsgeld und Sozialleistungen (Arbeitslosengeld II, Leistungen der Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung) sind grundsätzlich von Zuzahlungen befreit. Ebenfalls entfällt die Zuzahlung für Rehabilitanden, die bei Antragstellung das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und bei Kinderheilbehandlungen.
  • Vollständig befreit von der Zuzahlung sind des Weiteren nach den Zuzahlungsrichtlinien der Rentenversicherung derzeit Versicherte und Rentner, deren monatliches Nettoeinkommen den Grenzbetrag von 1.191 € nicht überschreitet.
  • Wird die Entwöhnungsbehandlung nicht als Anschlussrehabilitation von einem Rentenversicherungsträger (d.h. ohne eine vorherige stationäre Entgiftung) durchgeführt, so ergeben sich längere Zuzahlungszeiträume. Allerdings bestehen abhängig von der Einkommenshöhe entsprechende Härtefallregelungen. Grundsätzlich ist die Zuzahlung auf maximal 42 Tage pro Jahr beschränkt. Dabei werden bereits im selben Jahr zu stationären Behandlungen geleistete Zuzahlungen angerechnet.

Zahlungstabelle bei Antragstellung im Jahr 2018

monatliches Nettoeinkommen

tägliche Zuzahlung

unter

1.219,00 €

keine Zuzahlung

ab

1.219,00 €

  5,00 €

ab

1.339,80 €

  6,00 €

ab

1.461,60 €

  7,00 €

ab

1.583,40 €

  8,00 €

ab

1.705,20 €

  9,00 €

ab

1.827,00 €

10,00 €

Eine verringerte Zuzahlung muss in jedem Fall beantragt werden und erfolgt nicht etwa „von Amts“ wegen. Dies liegt daran, dass den Rentenversicherungsträgern die Einkommenssituation der Rehabilitanden nicht bekannt ist.

Versicherte und Rentner, die eine medizinische Rehabilitationsleistung beantragen, sollten gleichzeitig - sofern die entsprechenden Voraussetzungen hierfür vorliegen - auch den Antrag auf teilweise bzw. vollständige Befreiung von der Zuzahlung bei ihrem zuständigen Rentenversicherungsträger stellen, damit dieser hierüber rechtzeitig entscheiden kann. Dem Antrag sollte eine Verdienstbescheinigung des Arbeitgebers oder eine behördliche Bescheinigung, beispielsweise der Rentenbescheid, beigefügt werden.

Detaillierte Informationen hierzu können Sie - ebenso wie zur Regelung des Übergangs- bzw. Krankengeldes - von Ihrem Rentenversicherungsträger bzw. Ihrer Krankenkasse erfragen.

Hier finden Sie entsprechende Antragsformulare der Rentenversicherung für die Befreiung der Zuzahlung:

  • Antrag auf Befreiung von der Zuzahlung (G0160)
  • Informationen zum Antrag auf Befreiung von der Zuzahlung (G0162)