31. Heidelberger Kongress "Sucht und Komorbidität - Sucht als Komorbidität"

20.06.2018 - 22.06.2018

Einführung in das Thema

„Sucht kommt selten allein …“. Komorbide Störungen sind bei suchtkranken Menschen eher die Regel als die Ausnahme. Sie leiden deutlich häufiger als die Allgemeinbevölkerung an psychiatrischen Diagnosen wie Angsterkrankungen, Depressionen, Persönlichkeitsstörungen oder Traumafolgestörungen. Auch somatische Diagnosen wie etwa Stoffwechselkrankheiten, Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems, des Verdauungssystems oder Kreislaufsystems kommen häufiger bei ihnen vor. Daraus leiten sich zwei zentrale Themenstellungen ab, mit denen sich der Kongress befassen wird:

  • Zum einen geht es um die Frage, inwieweit im Vorfeld bzw. auch während der Behandlung neben der Sucht auch komorbide Störungen diagnostiziert werden und diese auch Eingang in der Behandlung finden. So sind entsprechende Synergien z.B. von Substanzkonsum und psychischen Störungen zu berücksichtigen. Ein Mensch mit einer selbstunsicheren Persönlichkeitsstörung kann sich unter Alkoholeinfluss beispielsweise kurzfristig selbstsicher fühlen, oder es können depressive Symptome durch Substanzmittelwirkungen vorübergehend reduziert werden. Aufgrund der negativen Folgen des Substanzkonsums sowie der fehlenden Entwicklungen adäquater Copingmechanismen verstärken sich mittel- und langfristig die Ausprägung der psychischen Störungen sowie entsprechenden somatischen Beschwerden. Somit können vielfältige Interdependenzen der verschiedenen Störungssymptome bestehen. Eine Suchtbehandlung, die ausschließlich auf die Suchtsubstanzeinnahme und deren Beendigung fokussieren würde, greift bei Vorliegen weiterer psychischer und somatischer Störungen von daher zu kurz. Damit stellen sich vielfältige Herausforderungen an die Behandler. Denn es sind entsprechende Kompetenzen und integrierte Behandlungsmodelle erforderlich. Die mehrdimensionalen Problembereiche der komorbiden Patienten/Patientinnen sind bei der Therapiezielplanung und der Gestaltung des gesamten Behandlungsprozesses entsprechend zu berücksichtigen.
  • Zum anderen kann eine Suchterkrankung im Kontext einer Krankenhausbehandlung, einer somatischen/ psychosomatischen Rehabilitation oder einer Behandlung durch eine/n niedergelassene/n Psychotherapeutin/en selbst als Komorbidität auftreten. Die primäre Erkrankung, aufgrund dessen ein Patient/eine Patientin sich in der jeweiligen Behandlung befindet, ist in diesem Fall eine somatische oder psychische Störung, wobei eine zusätzliche Suchterkrankung häufig übersehen bzw. nicht entsprechend berücksichtigt wird. In diesem Falle stellt sich die Herausforderung, eine „Kultur des Hinschauens“ zu entwickeln und im Rahmen der Diagnostik und weiteren Behandlungsplanung (z.B. Entlassmanagement im Krankenhaus) die Aufmerksamkeit auch auf die Suchterkrankung zu lenken und zur Inanspruchnahme entsprechender suchtspezifischer Beratungs- und Behandlungseinrichtungen sowie Selbsthilfegruppenangebote zu motivieren.

Es erwartet uns ein spannender Kongress, der Orientierung bieten soll und bei dem in Form von Plenumsvorträgen, Foren, Workshops und Posterbeiträgen folgende Themen behandelt werden:

  • Alkohol-/substanzbezogene Störungen und somatische Komorbidität
  • Diagnostik und Behandlung psychischer Störungen unter besonderer Berücksichtigung von Angsterkrankungen
  • Persönlichkeitsstörungen – Überblick über Diagnostik, Behandlungsmethoden und –techniken
  • Depression und Suizidalität bei Suchterkrankungen
  • Psychopharmaka und Suchtbehandlung
  • Return to Work – unter Berücksichtigung psychischer und substanzbezogener Störungen
  • Behandlung psychischer und somatischer Erkrankungen in der Suchttherapie
  • Komorbide Erkrankungen in der Behandlung Drogenabhängiger sowie bei pathologischem Glücksspiel und pathologischem PC-/Internetgebrauch
  • Komorbidität und Sucht: Rahmenbedingungen, Anforderungen und deren Finanzierung
  • Sucht und Komorbidität – Sucht als Komorbidität: Erfordernisse aus Sicht der Leistungsträger und Behandler

 

Hier finden Sie das Call for Papers,

Abstracts können bis zum 21. September 2017 bei der Geschäftsstelle des FVS eingereicht werden.

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