Einführung in das Kongresssthema

In den letzten Jahren stehen im Gesundheits- und Sozialbereich zunehmend Fragen nach der ökonomischen Bedeutung und Effizienz von Leistungen, nach strukturellen Gegebenheiten und Erfordernissen, nach dem Machbaren unter den bestehenden Rahmenbedingungen im Mittelpunkt der Diskussionen. Mit dem Bundeskongress 2017 sollen im Unterschied dazu ethische Aspekte im Kontext der Suchtbehandlung beleuchtet werden. Ethik befasst sich mit dem richtigen Handeln in bestimmten Situationen und den dafür zugrunde liegenden leitenden Handlungsregeln. Wesentlich für die ethische Bewertung von Handlungen sind die mit ihnen verbundenen Folgen. Von daher geht es bei der Thematik nicht um abstraktes Wissen, sondern um eine verantwortbare Praxis. Ethik stellt auch die Frage nach den Zielen menschlichen Handelns. Als letztes Ziel des Menschen wird häufig das Glück oder die Glückseligkeit, wie auch ein gelungenes und gutes Leben oder subjektives Wohlbefinden genannt. Ethische Fragen sind somit grundsätzlicher Natur und betreffen alle Menschen in ihren unterschiedlichen Lebensräumen, Funktionen und Aufgabenbereichen, die mit der Suchtbehandlung zu tun haben.

Übergeordnete Zielsetzung aller Angebote im Bereich der Suchtkrankenhilfe und -behandlung ist insbesondere, für jeden Betroffenen ein möglichst autonomes, gesundes und zufriedenes Leben mit einem hohen Grad an Selbstkontrolle und Selbstverwirklichung zu erreichen. Damit sollten alle Angebote letztlich die Entwicklungspotenziale eines Menschen und damit auch seine psychosozialen Lebensumstände, seine psychischen und somatischen Ressourcen und Komorbiditäten sowie seine soziale Einbindung in die Gemeinschaft, Gesellschaft und das Arbeitsleben im Blick haben.

Doch inwieweit lassen sich ethisch begründete Zielsetzungen und Handlungsempfehlungen auch in der Praxis realisieren? In der Versorgungs- und Behandlungsrealität haben wir es durchaus auch mit unterschiedlichen Werthaltungen, Sichtweisen und Zuständigkeiten der Beteiligten, mit widersprüchlichen Anforderungen, mit begrenzten ökonomischen Ressourcen und Partialinteressen zu tun.

Die Veranstaltung dient dazu, ethische Aspekte aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten und den Dialog über grundsätzliche Werthaltungen, Zielformulierungen und leitende Handlungsregeln zu fördern.

Uns erwartet ein spannender Kongress, der in Form von Plenumsvorträgen, Foren, Workshops und Poster u.a. folgende Themen behandelt:

  • Ethische Fragen und Grundhaltungen in der Medizin, Psychotherapie, Suchtrehabilitation
  • Ethische Anforderungen aus Patientensicht
  • Was macht Ärzte/innen und Therapeuten/innen glücklich?
  • Soziale Ungleichheit und Gesundheit unter besonderer Beachtung psychischer Erkrankungen
  • Resilienz und Sucht: Stärkung der seelischen Widerstandskraft als wichtige Aufgabe in der Behandlung
  • Wenn Wertesysteme aufeinander treffen – Suchthilfe und Migration
  • Ethische und wirtschaftliche Aspekte – wie geht das zusammen? – Beitrag aus Sicht der Leistungsträger
  • Ethische Grundhaltungen in der therapeutischen Praxis
  • Ethische Aspekte in der Behandlung Drogenabhängiger
  • Ethik und Inklusion – wie geht das zusammen?
  • Arbeitswelt heute: Chancen und Möglichkeiten für die berufliche (Re-)Integration
  • Web 4.0, Online-Glücksspiel … - was ändert sich und welche Angebote sind erforderlich?

Um den erfahrungsorientierten Ansatz der Veranstaltung zu betonen, werden zudem verschiedene Workshops zum übergeordneten Thema „Zwischen Wissen und Gewissen“ angeboten. Diese richten sich an therapeutisch tätige Mitarbeiter/innen in ambulanten Beratungs- und Behandlungsstellen sowie an Fachkliniken für Abhängigkeitskranke.
Wir hoffen auf eine interessante und lebendige Veranstaltung.

 

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