Einführung in das Kongresssthema

„Sucht kommt selten allein …“. Komorbide Störungen sind bei suchtkranken Menschen eher die
Regel als die Ausnahme. Sie leiden deutlich häufiger als die Allgemeinbevölkerung an psychiatrischen
Diagnosen wie Angsterkrankungen, Depressionen, Persönlichkeitsstörungen oder
Traumafolgestörungen. Auch somatische Diagnosen wie etwa Stoffwechselkrankheiten, Krankheiten
des Muskel-Skelett-Systems, des Verdauungssystems oder Kreislaufsystems kommen
häufiger bei ihnen vor. Daraus leiten sich zwei zentrale Themenstellungen ab, mit denen sich der
Kongress befassen wird:

  • Zum einen geht es um die Frage, inwieweit im Vorfeld bzw. auch während der Behandlung neben
    der Sucht auch komorbide Störungen diagnostiziert werden und diese auch Eingang in der
    Behandlung finden. So sind entsprechende Synergien z.B. von Substanzkonsum und psychischen
    Störungen zu berücksichtigen. Ein Mensch mit einer selbstunsicheren Persönlichkeitsstörung
    kann sich unter Alkoholeinfluss beispielsweise kurzfristig selbstsicher fühlen, oder es können
    depressive Symptome durch Substanzmittelwirkungen vorübergehend reduziert werden.
    Aufgrund der negativen Folgen des Substanzkonsums sowie der fehlenden Entwicklungen adäquater
    Copingmechanismen verstärken sich mittel- und langfristig die Ausprägung der psychischen
    Störungen sowie entsprechenden somatischen Beschwerden. Somit können vielfältige
    Interdependenzen der verschiedenen Störungssymptome bestehen. Eine Suchtbehandlung, die
    ausschließlich auf die Suchtsubstanzeinnahme und deren Beendigung fokussiert, greift
    bei Vorliegen weiterer psychischer und somatischer Störungen von daher zu kurz. Damit stellen
    sich vielfältige Herausforderungen an die Behandler. Denn es sind entsprechende Kompetenzen
    und integrierte Behandlungsmodelle erforderlich. Die mehrdimensionalen Problembereiche der
    komorbiden Patienten/Patientinnen sind bei der Therapiezielplanung und der Gestaltung des
    gesamten Behandlungsprozesses entsprechend zu berücksichtigen.
  • Zum anderen kann eine Suchterkrankung im Kontext einer Krankenhausbehandlung, einer somatischen/
    psychosomatischen Rehabilitation oder einer Behandlung durch eine/n niedergelassene/
    n Psychotherapeutin/en selbst als Komorbidität auftreten. Die primäre Erkrankung, aufgrund
    dessen ein Patient/eine Patientin sich in der jeweiligen Behandlung befindet, ist in diesem
    Fall eine somatische oder psychische Störung, wobei eine zusätzliche Suchterkrankung häufig
    übersehen bzw. nicht entsprechend berücksichtigt wird. In diesem Falle stellt sich die Herausforderung,
    eine „Kultur des Hinschauens“ zu entwickeln und im Rahmen der Diagnostik und weiteren
    Behandlungsplanung (z.B. Entlassmanagement im Krankenhaus) die Aufmerksamkeit auch
    auf die Suchterkrankung zu lenken und zur Inanspruchnahme entsprechender suchtspezifischer
    Beratungs- und Behandlungseinrichtungen sowie Selbsthilfegruppenangebote zu motivieren.

Es erwartet uns ein spannender Kongress, der Orientierung bieten soll und bei dem in Form von
Plenumsvorträgen, Foren, Workshops und Posterbeiträgen folgende Themen behandelt werden:

  • Alkohol-/substanzbezogene Störungen, somatische Komorbidität und Frühintervention
  • Diagnostik und Behandlung psychischer Störungen unter besonderer Berücksichtigung von
    Angsterkrankungen
  • Persönlichkeitsstörungen – Überblick über Diagnostik, Behandlungsmethoden und -techniken
  • Depression und Suizidalität bei Suchterkrankungen
  • Psychopharmaka und Suchtbehandlung
  • Return to Work – unter Berücksichtigung psychischer und substanzbezogener Störungen
  • Behandlung psychischer und somatischer Erkrankungen in der Suchttherapie
  • Komorbide Erkrankungen in der Behandlung Drogenabhängiger sowie bei pathologischem
    Glücksspiel und pathologischem PC-/Internetgebrauch
  • Komorbidität und Sucht: Rahmenbedingungen, Anforderungen und deren Finanzierung
  • Sucht und Komorbidität – Sucht als Komorbidität: Erfordernisse aus Sicht der Leistungsträger
    und Behandler

Um den erfahrungsorientierten Ansatz der Veranstaltung zu betonen, werden zudem verschiedene Workshops zum übergeordneten Thema „Komorbiditäten“ angeboten. Diese richten sich an therapeutisch tätige Mitarbeiter/innen in ambulanten Beratungs- und Behandlungsstellen sowie an Fachkliniken für Abhängigkeitskranke.
Wir hoffen auf eine interessante und lebendige Veranstaltung.

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