Der Weg aus der Abhängigkeitserkrankung

Die Abhängigkeit von Suchtmitteln ist eine Krankheit, welche nachhaltig die Gesundheit und die seelische und psychische Verfassung beeinträchtigt. Abhängigkeitserkrankungen hinterlassen damit auch Spuren in allen Lebensbereichen: Familie, Freundschaften, Freizeit, Beruf. Bezogen auf die Arbeitswelt kann langfristig auch die Erwerbs- und Berufsfähigkeit grundsätzlich in Frage gestellt sein.

Es gibt wirkungsvolle Behandlungsangebote, um sich aus dem Teufelskreis der Sucht zu befreien. Abhängigkeitserkrankungen können substanzbezogen (z.B. Alkohol-, Medikamenten-, Drogenabhängigkeit) oder substanzungebunden (z.B. Glücksspiel-, Internetabhängigkeit) auftreten.

In der Rubrik „Einrichtungssuche“ finden Sie stationäre, ambulante und ganztägig ambulante Behandlungsangebote von Mitgliedseinrichtungen des Fachverbandes Sucht. Dort finden Sie auch die Möglichkeit zur spezifischen Suche (z.B. nach Postleitzahl der Einrichtungen, Suchtformen, Angebote für Junioren / Senioren / Paare / Eltern, etc.). Die Wirksamkeit der Behandlungen wird kontinuierlich geprüft und dokumentiert.

Schritt 1: Eingeständnis der Abhängigkeit

Der erste und wichtigste Schritt ist, sich selbst einzugestehen, dass man möglicherweise abhängig geworden ist und Hilfe benötigt. Abhängigkeit ist eine Erkrankung, die einer entsprechenden Behandlung bedarf – wie andere Krankheiten auch.

Schritt 2: Suche nach Unterstützung

Wenn Sie bereit sind, sich Unterstützung zu suchen, können Sie sich zunächst an eine ambulante Suchtberatungsstelle in Ihrer Nähe wenden. Der Kontakt zu einer solchen Beratungsstelle kann ganz entscheidend für den Weg aus der Abhängigkeit sein, denn dort erhalten Sie nicht nur eine qualifizierte Information und Beratung hinsichtlich der erforderlichen Schritte, sondern auch Unterstützung bei der Vermittlung und Antragstellung auf eine Entwöhnungsbehandlung beim zuständigen Leistungsträger. Mit der/m jeweiligen Berater/in können Sie auch über die Auswahl einer spezifischen Einrichtung sprechen. Dabei spielt das Wunsch- und Wahlrecht eine bedeutsame Rolle. Von daher ist es wichtig, sich entsprechend über die verschiedenen Angebote zu informieren. Die Mitarbeiter/innen der Beratungsstellen sind im Umgang mit Suchtproblemen geschult und können sowohl die Betroffenen als auch deren Angehörige über die spezifischen Behandlungsmöglichkeiten umfassend beraten, aufklären oder auch motivieren.

Über entsprechende Beratungsangebote in Ihrer näheren Umgebung können Sie sich wie folgt informieren:

  • Über die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) können Sie ambulante Beratungs- und Behandlungsstellen in Ihrer näheren Umgebung unter der Internet-Adresse http://www.bzga.de/service/beratungsstellen/suchtprobleme/ aufrufen. Sie können diese auch telefonisch über das bundesweite Informationstelefon zur Suchtvorbeugung der BZgA erfragen unter der Rufnummer 0221/89 20 31 (Montag bis Donnerstag: von 10 bis 22 Uhr und Freitag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr).
  • Unter der Internet-Adresse der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen können Sie ebenfalls bundesweite Adressen von ambulanten Beratungs- und Behandlungsstellen im Internet unter www.dhs.de abrufen.
  • Raucher können sich unter der Hotline der BZgA-Telefonberatung zur Rauchentwöhnung telefonisch beraten lassen. Das Rauchertelefon hat die Rufnummer 0800/8 31 31 31 (Montag bis Donnerstag: von 10 bis 22 Uhr und Freitag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr).
  • Aber auch Sozialdienste in Krankenhäusern, Ihr Hausarzt oder niedergelassene Psychotherapeuten und Fachärzte (z.B. Psychiater) können erste Ansprechpartner sein, um sich entsprechend zu informieren und weitere Schritte zu initiieren.
  • Betriebsärzte oder betriebliche Suchtkrankenhelfer können ebenfalls Entwöhnungsbehandlungen empfehlen oder initiieren.
  • Auch Selbsthilfegruppen bieten wichtige Hilfen für Betroffene und Angehörige an. Hier finden Sie eine Liste mit Selbsthilfegruppen.
Schritt 3: Kontakt zu ambulanten Beratungsangeboten

Nach telefonischer Abklärung eines Termins führen Sie ein erstes persönliches und streng vertrauliches Gespräch mit einem Berater/einer Beraterin, in dem Sie die Möglichkeit haben, Informationen zu bekommen und ihre persönliche Situation darzulegen. Gemeinsam wird dann das weitere Vorgehen besprochen. Beispielsweise wird mit Ihnen und unter Einbezug eines Arztes abgeklärt, ob zunächst ein stationärer oder ambulanter Entzug (s. Schritt 4) erforderlich ist. Möglicherweise werden einige Beratungstermine vereinbart, bzw. die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe empfohlen. Es kann sich aber auch herausstellen, dass eine längerfristige (ganztägig) ambulante bzw. stationäre Behandlung notwendig ist.

Schritt 4: Entzug

Wer seit Monaten oder sogar Jahren in hohen Dosen Suchtmittel konsumiert und keine abstinenten Tage mehr kennt, muss mit Entzugserscheinungen rechnen. Diese Entzugserscheinungen können erheblich sein und sind deshalb dringend behandlungsbedürftig. Mit ärztlicher Unterstützung können potenzielle Risiken, z. B. ein Krampfanfall mit Bewusstseinsverlust oder ein Delirium, weitgehend ausgeschlossen werden. Bei einem geplanten Entzug ist der erste Schritt also immer der Gang zum Arzt oder zur Ärztin. Der ärztlich begleitete Entzug kann ambulant oder stationär erfolgen. Der stationäre Entzug wird in der Regel von der Krankenversicherung finanziert und in psychiatrischen Einrichtungen oder auf den internistischen Stationen von Allgemeinkrankenhäusern durchgeführt. Speziell ausgebildete medizinische und pflegerische Fachkräfte überwachen beim qualifizierten Entzug nicht nur die körperliche Entgiftung, sondern es werden zudem auch begleitende Einzel- und Gruppengespräche angeboten und weiterführende Informationen gegeben sowie gegebenenfalls die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe ermöglicht.

In den Akutkliniken gibt es einen Sozialen Dienst, mit dem man hinsichtlich einer weiterführenden Entwöhnungsbehandlung Kontakt aufnehmen kann. Dieser kann – ebenso wie eine ambulante Suchtberatungsstelle - das Antragsverfahren auf eine Entwöhnungsbehandlung beim zuständigen Leistungsträger einleiten.

Schritt 5: Antragsverfahren für eine Entwöhnungsbehandlung

Falls sich herausstellen sollte, dass für Ihre Gesundung und ein Leben jenseits der Abhängigkeit eine (ganztägig) ambulante oder eine stationäre Behandlung erforderlich ist, wird die Beratungsstelle bzw. der Sozialdienst alle notwendigen weiteren Schritte gemeinsam mit Ihnen veranlassen. Hierzu gehören:

  1. Antragstellung an den zuständigen Leistungsträger, i. d. R. mit folgenden Unterlagen:
    • Antrag des Versicherten
    • Sozialbericht, der von der Suchtberatungsstelle bzw. dem Sozialen Dienst erstellt wird
    • ärztliches Gutachten (Befundbericht)
  2. Klärung der Kostenübernahme

Der von Ihnen unterschriebene Antrag wird dann mit den erforderlichen Unterlagen dem zuständigen Leistungsträger zugestellt. Dieser ist bei erwerbstätigen Personen in der Regel die Rentenversicherung, bei Familienangehörigen oder Rentnern in der Regel die Krankenversicherung. Der angeschriebene Leistungsträger begutachtet innerhalb einer Frist von 14 Tagen den Antrag und entscheidet über die Bewilligung der Leistung, sofern er zuständig ist, oder er muss den Antrag - falls er sich für nicht zuständig hält - an den entsprechend zuständigen Leistungsträger weiterleiten. Wenn der Antrag bewilligt wird, bestimmt der Leistungsträger, unter Berücksichtigung berechtigter Wünsche des Antragsstellers bzw. ggf. entsprechender Vorschläge der Beratungsstelle, die Behandlungseinrichtung (z.B. eine spezielle Fachklinik) und die Dauer der Behandlung. Falls der Leistungsträger nicht die vom Versicherten gewünschte Einrichtung wählt und dieser aus nachvollziehbaren Gründen eine andere Behandlungseinrichtung wünscht, kann er im Rahmen des Wunsch- und Wahlrechts (§ 9 SGB IX) Widerspruch einlegen. Nach Festlegung der Behandlungseinrichtung wird diese dann den Zeitpunkt für die Aufnahme mitteilen.

Adressen von Behandlungseinrichtungen des FVS finden Sie auf dieser Seite unter der Rubrik "Einrichtungssuche".

Schritt 6: Der Aufenthalt in einer Fachklinik

Die überwiegende Anzahl der Entwöhnungsbehandlungen wird in stationären Behandlungseinrichtungen durchgeführt. In der Fachklinik erwartet Sie ein persönlich ausgerichtetes, qualifiziertes Behandlungsangebot in einem geschützten Rahmen. Die Behandlungen enthalten nicht nur medizinisch-therapeutische Elemente sowie Sport- und Bewegungsangebote, sondern berücksichtigen insbesondere auch soziale und seelische Gesichtspunkte von Abhängigkeitserkrankungen. Ein Bezugstherapeut steht Ihnen als persönlicher Ansprechpartner zur Verfügung und erarbeitet mit Ihnen Therapieziele

In der Klinik arbeiten multiprofessionelle Teams (Ärzte, Psychologen, Sozialarbeiter, Ergotherapeuten, Bewegungstherapeuten, Krankenpflegepersonal) unter ärztlicher Anleitung, die mit Ihnen Perspektiven hinsichtlich persönlicher, sozialer und beruflicher Fragen entwickeln. Eine Entwöhnungsbehandlung dauert durchschnittlich je nach individuellem Bedarf bei einer Abhängigkeit von Alkohol und Medikamenten in der Regel 8 bis zu 16 Wochen. Bei Drogenabhängigkeit liegt die Behandlungsdauer i.d.R. zwischen 16 und 26 Wochen. Mitgliedseinrichtungen des Fachverbandes Sucht finden Sie hier.

Die Erfolge der Behandlung sind nicht nur durch systematische Befragungen ehemaliger Patienten/innen durch die Leistungsträger und Einrichtungen, sondern auch durch viele wissenschaftliche Untersuchungen belegt.

Schritt 7: Die Zukunft: Die Zeit nach der Behandlung

Auch nach einer stationären Behandlung in der Fachklinik stehen Ihnen verschiedene Angebote zur Weiterbehandlung bzw. Betreuung / Nachsorge zur Verfügung.

So kann sich bei besonderen beruflichen und sozialen Problemlagen und hoher Rückfallgefährdung eine stationäre Adaptionsbehandlung anschließen (Dauer bei Alkoholabhängigkeit i.d.R. bis zu 11-12 Wochen, bei Dogenabhängigkeit i.d.R. bis zu 16 Wochen).

Des Weiteren steht Ihnen bei entsprechendem Bedarf die ambulante Beratungs- und Behandlungsstelle im Rahmen einer Nachbetreuung / Nachsorge bzw. ambulanten Fortführung der stationären Entwöhnungsbehandlung zur Verfügung und unterstützt Sie bei Ihrem weiteren Lebensweg und der Vermeidung von Rückfällen. Es empfiehlt sich darüber hinaus, mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, im Rahmen einer Selbsthilfegruppe zu sprechen. Die Festigung der erlebten persönlichen und sozialen Veränderungen und eines zufriedenen Lebens ohne Abhängigkeit steht nun im Mittelpunkt. Darüber hinaus geht es darum, wieder im sozialen und beruflichen Leben Fuß zu fassen.

  • Auch bei Rückfällen stehen Ihnen viele Möglichkeiten offen, die Sie auf dem weiteren Weg in ein suchtmittelfreies Leben unterstützen. Ein Rückfall kann viele Ursachen haben und muss keine Katastrophe sein. Er kann Sie in ihrer Abstinenz sogar bestärken und bedeutet nicht, dass Sie gänzlich gescheitert sind. Zögern Sie bei einem Rückfall nicht, direkt die Ihnen bekannten Suchthilfe-Netzwerke zu aktivieren. Wichtig ist hierbei, möglichst rasch wieder seine Ansprechpartner bei der Suchtberatungsstelle oder der Behandlungseinrichtung zu kontaktieren, um die weiteren Schritte zur Stabilisierung der Situation zu besprechen. Auch eine Selbsthilfegruppe kann nach einem Rückfall mit Rat und Tat unterstützen.
    Die Internetseite www.alkoholrueckfall.de hält dazu Informationen, konkrete Handlungsvorschläge und anregende Texte rund um das Thema Alkoholrückfall bereit.