Einschätzung des Konsums

 

(Riskanter Konsum, Missbrauch und Abhängigkeit)

Im folgenden erhalten Sie Hinweise, die sich insbesondere auf den Alkoholkonsum beziehen. Die weiteren Hinweise richten sich an alle Betroffenen, unabhängig vom jeweils eingenommenen Suchtmittel, welche entsprechende Betreuungs- und Behandlungsangebote in Anspruch nehmen wollen.

In der Fachwelt wird beim Alkoholkonsum unterschieden zwischen

 

Riskanter Alkoholkonsum

Ein riskanter Alkoholkonsum liegt vor, wenn

  • Männer täglich mehr als 30 g reinen Alkohol trinken
  • Frauen täglich mehr als 20 g reinen Alkohol trinken

(British Medical Association 1995)

Nachfolgende Übersicht gibt einen Überblick über den Alkoholgehalt
verschiedener Getränke:

Getränk

Alkoholgehalt

Menge

reiner Alkohol

Bier

ca. 5 Vol. %

0,2 l

ca. 8,0 g

Wein

ca. 10 Vol. %

0,1 l

ca. 8,0 g

Fruchtlikör

ca. 30 Vol. %

2 cl

ca. 4,8 g

Korn

ca. 32 Vol. %

2 cl

5,0 g

Obstler

ca. 35 Vol. %

2 cl

ca. 5,6 g

Weinbrand

ca. 40 Vol. %

2 cl

ca. 6,4 g

 

 

 

 

 

 

 

 

Werden die o. g. Grenzwerte dauerhaft überschritten, so können sich alkoholbedingte körperliche Beeinträchtigungen und bei einer deutlichen Überschreitung der Grenzwerte ein Alkoholmissbrauch oder eine Alkoholabhängigkeit entwickeln.

Darüber hinaus sollte auf Alkohol grundsätzlich

  • bei bestehender oder möglicher Schwangerschaft,
  • bei der Einnahme von Medikamenten, die mit Alkohol interagieren,
  • bei bestimmten körperlichen Störungen (z. B. Lebererkrankungen)

 verzichtet werden.

 

 

Schädlicher Gebrauch von Alkohol (Missbrauch)

Ein schädlicher Gebrauch liegt dann vor, wenn der Alkoholkonsum zu körperlichen, psychischen und sozialen Konsequenzen geführt hat. Diese Schädigungen müssen kontinuierlich über einen Zeitraum von mindestens einem Monat oder mehrfach im Verlaufe von 12 Monaten aufgetreten sein. Eine Abhängigkeit ist hierbei auszuschließen.

 

Abhängigkeit von Alkohol

Eine Abhängigkeit liegt nach der internationaler Klassifikation (ICD 10) dann vor, wenn 3 oder mehr der nachfolgenden Kriterien erfüllt sind:

  1. Starker Wunsch oder eine Art Zwang, Alkohol zu trinken.
  2. Hinweis auf eine verminderte Fähigkeit, den Alkoholkonsum zu kontrollieren.
  3. Alkoholkonsum, um Entzugssymptome (z. B. Zittern der Hände) zu mildern oder zu vermeiden, verbunden mit der Erfahrung, dass dies wirkt.
  4. Hinweise für Toleranzbildung, d. h. zunehmend wird mehr Alkohol benötigt, bevor die (gewünschte) Wirkung eintritt.
  5. Eingeengtes Verhaltensmuster durch den Alkoholkonsum, z. B. der Tagesplan richtet sich danach aus, regelmäßig Alkohol trinken zu können. Andere Interessen und Vergnügen werden zunehmend vernachlässigt.
  6. Der Alkoholkonsum wird fortgeführt, trotz klarer Hinweise auf negative körperliche, psychische oder soziale Folgen.

 

 

Diagnose von Alkoholmissbrauch und -abhängigkeit: Ein Fragebogen

Der nachfolgende Fragebogen kann Ihnen mehr Sicherheit darüber vermitteln, ob bei Ihnen ggf. ein Alkoholmissbrauch oder eine Alkoholabhängigkeit vorliegt.

LAST (Lübecker Alkoholismus Screening Test) (Rumph, H.-J. Hapke, U. John, U.)

  1. Sind Sie immer in der Lage, Ihren Alkoholkonsum zu beenden, wenn Sie das wollen?
  2. Haben Sie schon einmal das Gefühl gehabt, dass Sie Ihren Alkoholkonsum verringern sollten?
  3. Haben Sie schon einmal wegen Ihren Alkoholtrinkens ein schlechtes Gewissen gehabt oder sich schuldig gefühlt?
  4. Haben Ihre (Ehe-)Partner oder Ihre Eltern oder andere nahe Verwandte sich schon einmal über Ihr Trinken Sorgen gemacht oder sich beklagt?
  5. Haben Sie wegen des Trinkens einmal Probleme am Arbeitsplatz bekommen?
  6. Ist Ihnen schon einmal gesagt worden, Sie hätten eine Störung der Leber (z.B. Fettleber oder Leberzirrhose)?
  7. Waren Sie einmal in einem Krankenhaus wegen Ihres Alkoholkonsums?

 

Auswertungshinweise:

Jede "Ja"-Antwort der Fragen 2 bis 7 wird mit einem Punkt gewertet, bei Frage 1 wird eine "Nein"-Antwort mit einem Punkt bewertet.

Eine Summe von 2 oder mehr Punkten deutet auf einen Alkoholmissbrauch oder auf eine Alkoholabhängigkeit (Kriterien für Alkoholabhängigkeit s. 1.3) hin. Falls dies auf Sie zutreffen sollte, so sollte dies Anlass sein ein entsprechendes Gesprächsangebot bei Ihrem niedergelassenen Arzt oder einer ambulanten Suchtberatungs- und Behandlungsstelle in Anspruch zu nehmen, um das Ergebnis zu überprüfen und ggf. entsprechende Hilfen zu erhalten.